Portraits: Anne Wild
Interview: Ralph Drechsel

Markus Kneissl-Stettner ist Geschäftsführer der S.WERK GmbH und Sprecher des Unternehmens.

 
»Ich habe mich früh schon für Technik aller Art begeistert.«



»Die Informationstechnologie mit ihrer enormen Entwicklungsdynamik erschien mir als ein einziges großes Versprechen.«

Der Unternehmer Markus Kneissl-Stettner

Ein Vierteljahrhundert in der IT

Vor 25 Jahren gründete Markus Kneissl-Stettner sein erstes eigenes Unternehmen. Er hat den Siegeszug des Internets miterlebt, den IT-technischen Wandel ganzer Wirtschaftszweige verfolgt und die Digitalisierung vieler Firmen mit Rat und Tat begleitet. Eine Rückschau im Interview.

War Markus Kneissl-Stettner schon als Kind ein kleiner Nerd?

Ein Computerwunderkind war ich nie. Das Klischee vom verschrobenen Kerlchen, das schon mit zwölf in den frühen 1980er Jahren an einem Atari-8-Bit-Heimcomputer oder an einem Commodore 64 herumbastelt, stimmt in meinem Fall nicht. Ich bin als Bauernbub auf dem Hof meiner Eltern großgeworden. Ein Weiler mit sechs Häusern drumherum – viel einsamer geht es nicht. Unser Fenster zur Welt war ein alter Schwarz-Weiß-Fernseher.

Wer eine Landwirtschaft betreibt, bestellt nicht für jedes technische Problem einen Spezialisten ein. Du hilfst dir selbst, improvisierst, erwirbst allerhand handwerkliche Fähigkeiten. Ein neugieriges Kind kann dabei eine Menge lernen. Ich habe mich früh schon für Technik aller Art begeistert.

Als das erste Space Shuttle ins All abhob und Bilder davon im Fernsehen und in unserer Heimatzeitung zu sehen waren, hat mich das als Kind elektrisiert – ich war völlig in Bann gezogen. Aus der Trommel einer alten Waschmaschine und anderem Schrott baute ich mir in tagelanger Arbeit eine Raumfähre und war bereit auf große Reise zu gehen. Mein erster Zugang als Jugendlicher zu Computern passierte, wie bei vielen anderen in diesem Alter auch, über Spiele wie Pacman, Donkey Kong oder Archon.

Wann wussten Sie: IT mache ich zu meinem Beruf?

Nach meiner Schulzeit und einer daran anschließenden kaufmännischen Lehre habe ich als junger Kerl eine Weile Gemüse verkauft und dabei begegnete mir das erste, noch rudimentäre, computergestützte Warenwirtschaftssystem. Damals eine Innovation ersten Ranges, die nur wenige besaßen. Ich habe mir das intensiv angesehen und mir war schlagartig klar: daran führt künftig kein Weg mehr vorbei – in keinem Unternehmen der Welt. Das ist die Zukunft! Danach wollte ich unbedingt im IT-Bereich arbeiten. Die Informationstechnologie mit ihrer enormen Entwicklungsdynamik erschien mir als ein einziges großes Versprechen.

Damals gab es noch keine einschlägigen Ausbildungsberufe wie etwa die heute bekannten Fachinformatiker. Quereinsteiger aus allen möglichen technischen Berufen, Mathematiker und einige wenige Diplom-Informatiker von Hochschulen bildeten das Gros der Fachleute. Ich verschlang im Selbststudium tonnenweise Computerzeitschriften und Lehrbücher. Meinen ersten Job in der IT bekam ich dann im Vertrieb. Für einen großen Distributor setzte ich professionelle Unix-Workstations und Server ab.

Als ich mich schließlich mit einer eigenen Firma selbstständig gemacht hatte, zählten Landwirte zu meinen ersten Kunden. Vom Landwirtschaftsministerium gab es damals Förderprogramme, um den Einzug der EDV in der Land- und Forstwirtschaft zu forcieren. Dabei ging es unter anderem um Synergien mit Lagerhäusern und die Logistik für Futtermittel, Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel. Ich wusste, was Landwirte beruflich beschäftigt und sprach ihre Sprache, das hat mir den Einstieg erleichtert. Mitte der 1990er Jahre war für kleine Unternehmen der Verkauf und die Installation von Hard- und Software noch ein lohnendes Geschäft mit interessanten Margen. Heute könnte davon niemand mehr leben.

Können Sie sich noch erinnern, wann Sie zum ersten Mal im Internet waren?

Klar. Ich hatte in meiner Firma einen 64 KB schmalen Netzanschluss und darüber kamen pro Woche vielleicht zehn E-Mails herein. Anstelle eines Mailservers gab es einen Maildrucker. Die Korrespondenz wurde ausgedruckt und in Aktenordner zusammen mit den eingegangenen Faxen abgeheftet. Wenn man das heute erzählt, wirkt es wie aus einer anderen Welt. Und aus technologischer und organisatorischer Sicht war es das auch.

Das Internet gewann rasend schnell an Bedeutung – neue Geschäftszweige entstanden…

Ende der 1990er Jahre ging mit der verstärkten kommerziellen Nutzung des Internets und der Erhöhung der Datenbandbreite der Hype rund um die New Economy los. Start-up-Unternehmen verschiedener Branchen schossen wie Schwammerl aus dem Boden – Informationstechnik, Unterhaltungsindustrie, Biotechnologie, Medizin, Telekommunikation. Anleger am Neuen Markt verhielten sich dazu wie im Rausch. Die realwirtschaftliche Bedeutung der meisten dieser Firmen kann man im Rückblick als gering bezeichnen.

Als die Blase zur Jahrtausendwende zu platzen begann, hatte ich gerade ein neues Unternehmen gegründet, um vom klassischen Hardwaregeschäft weg zu kommen. Es war kein idealer Zeitpunkt dafür. In einem Klima der wirtschaftlichen Skepsis nach dem Zusammenbruch der New Economy ein neues Vorhaben im IT-Bereich aufzubauen, war schwierig. Wir mussten uns als Team ziemlich hart durchbeißen. Hintergrund meiner Gründungsidee war, Kunden standardisierte und günstige Lösungen für IT-Infrastruktur und alle möglichen operativen Probleme als Outsourcing anzubieten. Mittlerweile gibt es zahllose Provider und Modelle dafür. Damals war das für viele noch Neuland.

 
»Wir haben uns absichtlich dazu entschieden, in eher ländlich geprägten Regionen IT-Dienstleistungen anzubieten.«



»Manchmal brauche ich einfach Ruhe und eine Auszeit – auf Wanderungen kann ich gut nachdenken.«

Sie waren mit dem richtigen Plan zur falschen Zeit unterwegs?

Mein etwas spezielles Glück, was den Zeitpunkt neuer unternehmerischer Vorhaben anbelangt, blieb mir treu. Ein zweites Mal sollte meine Fähigkeit Widerstände zu überwinden auf eine harte Probe gestellt werden. Als die durch windige Immobiliendeals in den USA ausgelöste Finanzkrise ab 2007 weltweit durchschlug, befand ich mich gerade mitten in Fusionsverhandlungen mit einem Wettbewerber um zu expandieren. Die Banken befanden sich von einem Tag auf den anderen im Panikmodus.

Mit uns hatte das alles nichts zu tun, aber wir waren mit den unangenehmen Folgen konfrontiert. Die Investitionsbereitschaft von Firmen nahm während der Finanzkrise schlagartig ab. Das ist ein psychologisches Phänomen. Jeder versucht erst einmal sein Zeug zusammenzuhalten und wartet ab, was weiter geschieht. Investitionen in IT? – nächstes Jahr vielleicht. Ich musste lernen, Menschen zu kündigen, denen ich überhaupt nicht kündigen wollte. Das war eine schwierige Zeit. Aber wir haben überlebt. Etlichen Wettbewerbern ist das nicht gelungen.

Sie waren aber auch kein Risikounternehmer?

Nein, ganz und gar nicht. Alles, was wir an Business, hatten war immer sehr reell, von angemessenem Umfang und nah dran an den tatsächlichen Bedürfnissen unserer Kunden. Diese – wenn Sie so wollen – Bodenständigkeit hat uns Kredit verschafft.

Seit einem Jahrzehnt sind Sie mittlerweile mit der S.WERK aktiv.

Vor zehn Jahren habe ich zusammen mit meinem Partner Wolfgang Asbeck die S.WERK ins Leben gerufen, die wir seither gemeinsam als Rechenzentrum und Systemhaus führen. Bei der Konzeption unseres Dienstleistungsangebots kam uns meine lange Erfahrung im Bereich Managed Services zu Gute. Ich hatte entsprechende Angebote im Portfolio, da gab es den heute dafür gängigen Begriff noch gar nicht. Dieses Know-how merkt man uns in der Praxis an, sagen viele Kunden.

Sind Sie eigentlich sehr heimatverbunden?

Heimatverbunden würde ich das nicht nennen. Persönlich bin ich es im weitesten Sinne vielleicht schon, aber es ist jetzt kein Kennzeichen meiner Unternehmerschaft. Wir haben uns absichtlich dazu entschieden, in eher ländlich geprägten Regionen IT-Dienstleistungen anzubieten – es gibt hier hochinteressante Firmen. Aber das ist geografisch nicht ausschließlich so. Unsere Rechenzentren stehen beispielsweise in München und Linz. Unsere Kunden sind aus Bayern und Österreich.

Wie kommt man auf dem Land an gute Mitarbeiter*innen?

Das ist in der Tat nicht ganz einfach, aber es funktioniert. Mit dem Mangel an qualifizierten Fachkräften ist grundsätzlich jedes Unternehmen konfrontiert. Für die IT gilt das besonders. Strukturnachteile auf dem Land sind nicht zu leugnen. Wenn man aber qualifizierte Menschen gefunden hat, die zum Unternehmen passen, legen diese häufig eine hohe Loyalität an den Tag und bleiben länger als in der Großstadt. Zumindest ist das meine Erfahrung.

Was macht Markus Kneissl-Stettner, wenn er nicht arbeitet?

Ich reise sehr gerne, fahre oft in die Berge und liebe lange Wanderungen. Den Jakobsweg durch die Pyrenäen nach Santiago de Compostela in Galicien bin ich gelaufen und Teile des Franziskuswegs von Florenz nach Rom. Manchmal brauche ich einfach Ruhe und eine Auszeit – auf Wanderungen kann ich gut nachdenken. Stehe ich vor einer Aufgabe, die ich nicht sofort lösen kann, laufe ich einfach los. Das hat mir in meinem Leben schon öfter geholfen. Als passive sportliche Leidenschaft pflege in eine Liebe zu einem mitunter schwer zu verstehenden Fußball-Drittligisten aus München.

Mit der Benutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.  Mehr Informationen zum Datenschutz.
VERSTANDEN